Warum ausgerechnet Ayurveda?

Seitdem einer meiner Lehrer, der regelmäßig nach Indien zu fliegen pflegte, um seinen Yoga-Guru zu sehen, mir und weiteren Mitschülern die Welt des Ayurveda 1993 eröffnete, habe ich nicht mehr aufgehört, darüber zu lesen, das Gelesene auszuprobieren, zu beobachten und dazuzulernen. Da es damals nicht leicht war, an Literatur etc. zu gelangen, schlug ich beruflich einen anderen Weg ein. Mit den Jahren wurde der Ayurveda zuerst als Wellnesshype, dann aber auch als Medizin in Europa bekannter und ich bekam die Gelegenheit, hier ein ordentliches Studium nach Vorbild der universitären Ausbildung in Indien aufzunehmen… Warum ausgerechnet Ayurveda? Wegen der Schönheit seiner inneren Logik, seiner ausgefeilten Systematik, der Komplexität seiner Philosophie und praktischen Anwendbarkeit.

Es muss nicht Ayurveda sein – aber wenn es funktioniert, dann ist es auch “ayurvedisch”.

Wie funktioniert Ayurveda?

Ayurveda stellt uns ein schematisches Modell des hochkomplexen menschlichen Stoffwechsels zur Verfügung, mit dem wir verstehen und voraussagen können, wie der Körper mit Nahrung und Eindrücken umgeht.
Genau hier entstehen ja Gesundheit und Krankheit: im Kontakt mit der Umwelt, der Verarbeitung von Nährstoffen und dem Kreislauf von Gewebeaufbau und Zelltod.

Einen ersten Überblick bietet der Wikipedia-Eintrag zum Thema:
de.Wikipedia.org/wiki/Ayurveda

Die wichtigste Frage ist immer die nach der Ursache der Beschwerden, weil ohne Beseitigung der Ursache keine Krankheit verschwinden wird.
In der Antwort darauf, was als Ursache und was als Wirkung anerkannt wird, unterscheidet sich der Ayurveda von der “modernen” Medizin entscheidend (der Ayurveda ist an sich nicht unmodern, vielmehr können die heutige Chirurgie und Pharmazie medizingeschichtlich als Fortentwicklung der ayurvedischen gesehen werden). Im Gegensatz zur europäischen Medizinwissenschaft existiert kein “entweder/oder” in Bezug auf Zelle oder Körpersäfte, auf Körper oder Psyche; beide interagieren und hängen voneinander ab. Es geht darum, den Krankheit verursachenden Faktoren entgegenzuwirken und so Heilung zu ermöglichen.

 

Anwendungsgebiete

Die auf jeden Patienten individuell abgestimmte Ordnungstherapie und Ernährungslehre in Kombination mit stärkenden und ausgleichenden Pflanzenpräparaten und manueller Therapie in Form von Massagen und lokalen Anwendungen werden als Einzeltherapie, aber idealerweise begleitend oder nach Abschluss der ärztlichen Behandlung eingesetzt.

  • chronische Verdauungsstörungen, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Migräne, Schlafstörungen
  • chronische/allergische Krankheiten der Haut und Atemwege wie Neurodermitis, Psoriasis, Asthma
  • Beschwerden des Bewegungsapparats wie chronische Schmerzen, M. Bechterew, Polyarthritis, Gicht
  • stoffwechselbedingte Erkrankungen wie Diabetes Mellitus, Chronische Darmerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen
  • neurologische Erkrankungen, degenerativ oder nicht-generativ wie M. Parkinson, Multiple Sklerose, Paralysen
  • als psychosomatisch diagnostizierte Beschwerden

bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Ein besonderer Fokus liegt auf Autoimmunerkrankungen wie dem Rheumatischen Formenkreis, Psoriasis, Schilddrüsenproblemen (Hashimoto), Sprue, Chronischen Enteritiden (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa) u. s. w.

Chronische und Autoimmungeschehen haben die Gemeinsamkeit, dass sie mit dieser Kombination von ärztlicher und komplementärer Therapie erfahrungsgemäß besser, d. h. mit geringeren Nebenwirkungen und höherer Lebensqualität, zu managen sind. Studien hierzu liegen z. B. in deutscher Sprache von der Charité-Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomieangesiedelt in Zusammenarbeit mit dem Immanuel Krankenhaus Berlin (Link hier) vor.

 

Ich habe schon Vieles probiert und möchte mich nicht noch weiter einschränken.

Der Schwerpunkt der Arbeit mit Ayurveda-Medizin liegt in der Ursachenbekämpfung. Ziel ist es, Ihre Beschwerden mindestens in Schach zu halten, idealerweise zu eliminieren. Dafür ist es notwendig, die Entstehung Ihrer Beschwerden zu rekonstruieren und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen. Dies geschieht durch auf Sie individuell angepasste Ernährung und Therapie, was bedeutet: für Sie verträglich. Es bedeutet aber auch, dass es ganz ohne Veränderungen nicht gehen wird!
Wenn Sie das Gefühl haben, sich einschränken zu müssen, ohne einen Vorteil davon zu haben oder für Sie unangenehme Gewohnheiten annehmen sollen, ist das nicht im Sinn der Therapie. Bitte sprechen Sie so etwas unbedingt an.
Einzige Ausnahme kann gegebenenfalls die wortwörtlich “bittere Medizin” sein, die Ihnen verschrieben wird! Aber auch da lässt sich z. B. die Darreichungsform variieren.

 

Das klingt anstrengend. Wie soll ich das jemals alles umsetzen?

Schritt für Schritt! Sie bestimmen das Tempo und die Intensität der Behandlung. Sie lernen, durch Selbstbeobachtung die Signale Ihres Körpers und Geistes zu interpretieren und entsprechend zu reagieren und auch vorbeugend zu agieren. Was zuerst kompliziert scheint, werden Sie schon bald intuitiv umsetzen. Durch die regelmäßigen Anwendungen setzen wir die notwendigen Impulse, um den Organismus zurück auf die richtige Bahn zu lenken.

 

Ist Ayurveda mit meiner Religion und/oder Weltanschauung vereinbar?

Der Ayurveda ist zwar auf dem indischen Subkontinent entstanden und verwendet Elemente aus verschiedenen philosophischen Schulen, ist jedoch an keine Ideologie oder Religion gebunden. Er verlangt sogar ausdrücklich, dass Gebräuche, Glaube und Lebensgewohnheiten des Patienten respektiert und eingebunden werden. Die Antwort lautet also: so sehr, wie Sie möchten.

 

Ich habe gar keinen Bezug zu Indien.

Das brauchen Sie auch nicht. Der Ayurveda ist zwar in Indien entstanden, kann aber überall auf der Welt angewandt werden. Es steht ausdrücklich geschrieben, dass die örtlichen Gewohnheiten unbedingt in die Behandlung mit einbezogen werden sollen. Sie brauchen also nicht indisch zu essen oder ihren nächsten Urlaub auf Sri Lanka zu verbringen! Es spricht natürlich meistens auch nichts dagegen…

 

Wenn Ayurveda überall angewandt werden kann, warum setzen Sie dann überwiegend indische Arzneipflanzen ein?

Dafür gibt es drei Gründe:

Eine der Stärken der Systematik im Ayurveda liegt in der möglichen Integration praktisch jeder Substanz durch Bestimmung der Gunas (Eigenschaften). Da hier in Europa erst kürzlich mit der Arbeit begonnen wurde, die heimischen Pflanzen und Nahrungsmittel in dieses System einzugliedern, greifen wir, wo angezeigt, auf die bewährten indischen Mittel zurück. Zweitens ist die Verarbeitung von Heilpflanzen nach Ayurveda anders als nach der hiesigen Tradition; drittens gibt es einige sehr wirksame klassisch beschriebene Mischungen, auf die wir bei Ihrer Behandlung nicht verzichten wollen.

Ein Europäischer Dravyaguna Vijñan (Materia Medica, auf deutsch Arzneikatalog) ist in Entwicklung und wird sicherlich in Zukunft Einzug finden in die Therapie, wenn sie die klassischen Rezepturen auch nie ganz ersetzen wird.

 

Ich habe bereits eine Pancakarmakur hinter mir, die mir überhaupt nicht geholfen hat.

Der Begriff Ayurveda ist in Deutschland nicht geschützt, die Qualität der Ausbildung variiert zum Teil erheblich. Normalerweise ist für die Durchführung eines Pancakarma eine mehrjähriges, fundiertes Studium notwendig. Man muss zudem wissen, dass der Begriff “Kur” nicht im Sinne einer entspannenden Erholungskur gemeint ist, sondern der Reinigung dient und eine sorgfältige Nachbetreuung erfordert. Meine Fragen an Sie lauten in diesem Fall:
Wie lange dauerte die Kur?
Wie ausführlich waren Ihr Anamnesegespräch und die Untersuchung zu Anfang, wurde ausgeschlossen, dass es Gegenanzeigen gegen eine solche Kur gibt?
Verlief die Kommunikation mit dem Arzt/der Ärztin flüssig?
Wie wurden Sie auf die Behandlungen vorbereitet?
Wurden Sie täglich zumindest kurz befragt bzw. untersucht?
War es Ihnen erlaubt, Behandlungen selbst auszusuchen, Ihre Freizeit mit Ausflügen und/oder Wassersport zu verbringen, durften Sie essen, was sie wollen?
Wurden oder werden Sie in den Monaten nach dem Pancakarma, in denen Sie sich regenerieren sollen, weiter therapeutisch begleitet?
Diese Faktoren sind entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg eines jeden Pancakarmas.

 

Sind diese Arzneien auch nicht gefährlich?

Wie bei allen pflanzlichen Mitteln gilt auch hier: pflanzlich bedeutet nicht unbedingt harmlos. DIe gilt besonders, wenn verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen.
Ich rate davon ab, ohne Fachkenntnis auf eigene Faust Nahrungsergänzungsmittel und/oder Medikamente zu nehmen, auch wenn diese nicht verschreibungspflichtig sind. Die Dosierung muss auch unbedingt eingehalten werden. Dies gilt übrigens auch für Kräutertees!

Abgesehen davon sind sogenannte Rasashastra-Produkte, die Schwermetalle enthalten können, in Deutschland grundsätzlich nicht erhältlich und werden von mir auch nicht empfohlen.